Texte



Inventing Experience
Anlässlich der gleichnamigen Publikation

Der konstruierte Lebensraum ist oft eine Lagerhalle der Erinnerungen und Emotionen, die dem Materiellen nicht zugeordnet sind. Der Prozess in dem der Geist Bilder aufnimmt und sie ausdehnt ist ein höchst komplexer, er transzendiert die konkrete Welt mittels Sinnesempfindungen. Im Erweitern und Verfeinern der bisherigen Projekte, erkundet Fabian Patzak in seinen aktuellen Arbeiten die psychologischen Zusammenhänge architektonischer Räume, die über erlebte Erfahrungen, Erinnerungen, Gedanken oder Träume wahrgenommen werden. Vergleichbar zu seinen Wiener Vorgängern Adolf Loos und Frederik Kiesler, die Architektur und Interieur, mit Rücksicht auf das Geistige und Tastbare schematisierten, dispensiert Patzak Zeit und andere Mittel der wissenschaftlichen Observation um Räume zu schaffen. Er nimmt dabei Rücksicht auf phänomenologische und physische Werte, die Wahrnehmung von konkreten und metaphorischen Lebensräumen bilden.

Wie seine Zeitgenossen Toba Khedoori und Dan Graham, die ebenfalls mit Architektur auf einer konzeptuellen Ebene umgehen, kann Patzaks Arbeit, mit ihrer limitierten Farbpalette und der Intensität ihrer Ernsthaftigkeit und Ruhe, beunruhigend wirken. Das bedeutet aber keine Kritik an Patzaks Sezierung der Architektur. Mit seiner gekonnten Manipulation von Fragment, Maßstab und Perspektive, bildet Patzak Blickwinkel die leicht aus dem Gleichgewicht erscheinen, fordert so die Konventionen und Prozesse der räumlichen Konstruktion und Repräsentation heraus, und löst Aufrufe auf unbeweglich Erzählerisches auf.

In Fabian Patzaks Erforschungen der räumlichen Wahrnehmung, ordnet er Interieur und Exterieur - Ansichten öffentlicher, urbaner Lebensräume und privater heimliche Sphäre - um einen spezifischen Zusammenhang zwischen dem Betrachter und seiner dargestellten Welt herzustellen. Er positioniert aber die interpretativen Möglichkeiten der Arbeit als offen, frei von didaktischer Bedeutung. Patzak schafft so eine Aura der Einsamkeit, Distanz und Mehrdeutigkeit, die dem Betrachter Obskurität, Tumult, oder Ruhe ermöglicht, um so der grenzenlosen Kapazität der Vorstellungs- und Erinnerungskraft zu begegnen.

Elizabeth St.George, 2011


Installtion view | das weisse haus, 2010



Someplace Next Year
Rezension

Ein Meister reduzierter Sehnsuchtsarchitekturen

Wenn es so etwas wie eine junge, zeitgenössische MalerInnen-Generation gibt, und wenn wie es scheint, diese ein verstärktes Interesse am Raum und im Speziellen an Bildräumen zeigt, dann ist Fabian Patzak zweifelsohne einer ihrer herausragendsten Vertreter. Seine sehr reduzierten, ja nüchternen Ölbilder erinnern zumeist in ihrer Atmosphäre an Edward Hopper oder Charles Sheeler, allerdings sind sie noch um einiges reduzierter, nicht zuletzt weil sie stets Ton in Ton gehalten sind. Es sind auch ohne die Titel zu kennen zutiefst amerikanische Räume, die an die Filmklassiker Hitchcocks, Woody Allens oder an die New York Trilogie von Paul Auster denken lassen. Räume die von der Weite und Offenheit, aber auch von der Intensität New Yorks als KünstlerInnenmetropole erzählen ohne dabei pathetisch oder gar kitschig zu werden. Von fast noch bestechenderer Intensität sind seine Miniaturen in Öl auf Holz. Diese zeigen etwa ein Fenster in der Oxford Street in einer an Linoldrucke erinnernden Art und brechen so die Nüchternheit der Sujets auf sehr subtile Art.

Jene Grundstimmung des Alleine-Seins, welche diese angesprochene Generation an jungen Wiener Kunstschaffenden neben dem Interesse am Raum ebenfalls auszeichnet, ist in Patzaks Werk besonders intensiv zu spüren. Diese Einsamkeit wird bei den Bildern dieser Schau über die Leere, die die gemalten Räume beherrscht, vermittelt. Man wird förmlich in diese völlig unkitschigen Idyllen hineingezogen und beginnt die Ruhe und Weite zu genießen, denn auch wenn dies nicht so klingen mag, sind Fabian Patzaks Bilder alles andere als depressiv oder melancholisch, ja er scheint geradezu die Stille inmitten des nicht zu sehenden Trubels zu malen. Er malt in gewisser Weise was zu sehen wäre, wenn alles Unklare, Hektische, Verworrene von der Bildfläche verschwände und das reine Jetzt übrig bliebe. In diesem Sinne sind die gezeigten Werke Sehnsuchtsarchitekturen, die einem diese Ruhe durchaus zu vermitteln vermögen.

Wolfgang Pichler, 2009


Ausstellungsansicht | MUSA Startgalerie, 2009


European Art Project
Ausstellungstext. Chelsea Galerie, Basel

In seinen Gemälden thematisiert Fabian Patzak unsere gebauten Lebensräume. Er interessiert sich für moderne Architektur in ihrer unpersönlichsten Ausprägung, für Zweckbauten, öffentliche Gebäude, die überall auf der Welt gleich aussehen: anonym, gesichtslos, nüchtern, funktionalistisch. Solche Architektur ist global verbreitet, wir benutzen sie auf Schritt und Tritt, ohne sie je auf ihre ästhetischen Qualitäten hin anzuschauen. Um ihre vielleicht sogar schlichte Schönheit wahrzunehmen, braucht es das Auge des Malers. Dieser richtet seinen Blick nicht auf die grossen Errungenschaften der Internationalen Moderne, sondern auf unscheinbare Details aus deren Innenräumen. Er fokussiert den Blick auf die Zimmerecken und Winkel, die wir alle kennen, aber nie speziell beachten und setzt sie in sorgfältige Grisaille-Malerei um.

Schon ein Spiegel im Hotelzimmer, in welchem sich ein Vorhang spiegelt, ist für den Künstler ein Bild. So entwirft er auf der Leinwand bühnenhafte Räume, Projektionsflächen für unsere subjektiven Realitäten. Was passiert hinter diesen Wänden? Die Leere dieser Raumausschnitte schafft Platz für unsere eigenen Erwartungen, Ängste und Ahnungen. Diese Empfindungen können sehr unterschiedlich sein: gefühlte urbane Kälte oder visuelle Ruhe in einer reizüberfluteten Umgebung bis zu Sinnlosigkeits- oder Einsamkeitsgefühle in einer normierten Umwelt.

Wie weit kann man die gegenständliche Malerei reduzieren, ohne den Realitätsbezug ganz zu verlieren? Fabian Patzaks Bilder balancieren auf dem schmalen Grat zwischen Abstraktion und Wiedererkennbarkeit. Und wir können sie ohne weiteres auch als abstrakte, konstruktivistische Kompositionen lesen. Denn sie sind auch formal sehr streng und gut gebaut.

Eva Bächtold, Juni 2008


Ausstellungsansicht | Projektraum Chelsea Galerie, 2008